Dem Unfassbaren Ausdruck verleihen Bajo el título «Hace no mucho tiempo, no muy lejos de acá», Carla Infanta publicó por primera vez su libro en 2022. La ilustradora chilena se inspiró en sus dos hijos. La historia de sus propios abuelos, que tuvieron que huir de Rumania para escapar de los nazis, siempre la había acompañado.
En Chile, el libro fue galardonado en 2023 con la Medalla Colibrí; en Alemania se publicó en 2025 y ya ha sido nominado a premios. «Seit meiner Kindheit ist der Holocaust ein wichtiges Thema in meinem Leben», erklärt Carla Infanta. «Meine Großeltern mütterlicherseits, beide Juden, kamen im Mai 1939 aus Rumänien nach Chile, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen.
Meine Mutter hat mir immer vom Holocaust erzählt, allerdings ohne viele Details. » Als ihre eigenen Kinder, damals zehn und elf Jahre alt, während der Pandemie erfuhren, dass sie Vorträge über den Holocaust hielt, begannen sie, ihr Fragen zu stellen. «Ehrlich gesagt wusste ich oft nicht, was ich antworten sollte – teils aus Unwissenheit, teils weil mir der Mut fehlte, etwa bei Fragen wie: ‚Mama, haben die Nazis auch Kinder getötet?
‘» In diesem Moment wurde ihr klar, dass sie «ein erklärendes Buch» brauchte». Das Buch fand schnell in Deutschland große Resonanz: Erst vor einem Jahr veröffentlicht, wurde «Nicht sehr lang her, nicht sehr weit weg» in Bildungsprogramme aufgenommen und von mehreren renommierten Medien besprochen. «Ich glaube, der Schlüssel liegt darin, die Ereignisse nicht zu romantisieren und die Wahrheit zu sagen, aber in einer Sprache, die Kinder verstehen können, ohne unnötig ins Detail zu gehen – zumindest in dieser ersten Phase des Lernens über den Holocaust», erklärt sie.
Carla Infanta nennt drei zen-trale Aspekte, die ihr besonders wichtig waren. Erstens wollte sie die Dimension des Verbrechens verständlich machen: «Deshalb habe ich eine Illus-tration über zwei Doppelseiten gestaltet, auf der Millionen von Menschen jeden Alters zu sehen sind. » Außerdem wollte sie zeigen, dass «Hass wie ein schlechter Samen ist, der verborgen bleibt und nur auf den kleinsten Anstoß wartet, um zu wachsen – und dass dieser Anstoß bereits durch Worte erfolgen kann».
Für den dritten «wichtigsten und erschütterndsten Aspekt» hat sie eine Bildsequenz mit sehr wenig Text gestaltet: «Es ist die „Reise des Grauens“, die zeigt, wie jüdische Familien aus ihren Häusern vertrieben, in Ghettos gebracht und schließlich in Viehwaggons in Vernichtungslager deportiert wurden. » Für Lateinamerika habe das Thema eine besondere Bedeutung, wie Carla Infanta feststellt: «Viele Überlebende kamen in die Region. Deshalb gibt es eine dritte Generation, die diesen Schmerz noch in sich trägt.
» Die Bilder spielen eine herausragende Rolle in dem Buch. Sie betont: «Ich bin keine Schriftstellerin oder Historikerin, sondern «eine Architektin, die Kinderbücher illustriert. » Im ersten Teil begleiten die Bilder den Text oft in Form von Infografiken.
Im zweiten Teil – der «Reise» – stehen die Bilder im Mittelpunkt. «Sie zeigen den Verlust von Rechten, Identität und schließlich Leben, ohne explizite Gewaltdarstellungen», erklärt die Illustratorin. Carla Infanta zitiert Primo Levi: «Die Monster existieren, aber sie sind zu wenige, um wirklich gefährlich zu sein; gefährlicher sind die gewöhnlichen Menschen, die bereit sind zu glauben und zu gehorchen.
» Und sie fügt hinzu: «Es liegt an uns, Empathie und Menschlichkeit zu bewahren. Wenn Verstehen unmöglich ist, ist Wissen notwendig. Wir müssen wachsam bleiben.